von Emilia Hoffmann
Ingwer und Zimt klingen nach einem kleinen Küchenversprechen. Ein bisschen Schärfe, ein bisschen Wärme, ein Glas am Morgen, und plötzlich soll der Körper anders arbeiten. So wird es zumindest oft erzählt.
Zum ersten Mal ist mir diese Mischung nicht in einem Ernährungsbuch begegnet, sondern in einer Caféküche. Es war Winter, die Schneidebretter lagen noch nass neben der Spüle, und eine Kollegin rührte Ingwer, Zimt und Zitrone in eine große Tasse. Neben ihr standen ein Blech mit geschnittenen Äpfeln und ein Topf, in dem Milch für Porridge zu heiß geworden war.
Sie sagte nur: „Das trinke ich, wenn ich weniger Süßes will.“ Sie hielt daraus keinen Vortrag und machte auch keinen Abnehmplan daraus. Genau deshalb blieb es bei mir hängen. Nicht, weil der Satz besonders klug war. Eher, weil er nach Küche klang und nicht nach Versprechen.
Ich sehe solche Rezepte trotzdem nüchtern, ohne sie schlechtzureden.
Ein Drink aus Ingwer und Zimt kann angenehm sein. Er kann nach dem Essen guttun, wenn man Wärme und Schärfe mag. Er kann auch helfen, süße Getränke zu ersetzen. Aber er schmilzt kein Fett weg. Dafür ist Küche leider zu ehrlich.
Für diesen Text habe ich den Drink mehrere Tage hintereinander angesetzt: mal mit Zimtstange, mal mit Zimtpulver, mal kalt über den Vormittag und einmal als kleinen Shot. Solche Rezepte teste ich nicht, indem ich nur eine hübsche Tasse ans Fenster stelle. Für THE LIVES reicht mir das nicht. Ich trinke sie auch zu stark, zu dünn, zu zitronig und manchmal mit diesem letzten Schluck, den man eigentlich nicht mehr will.
Danach bleibt meist eine einfache Wahrheit übrig: Das beste Rezept ist nicht das schärfste. Es ist das, das man tatsächlich gern wieder macht.
Was der Drink leisten kann — und was nicht
Wenn jemand nach einem Rezept Ingwer und Zimt zum Abnehmen sucht, steckt dahinter oft kein großer Ernährungsplan. Eher der Wunsch nach etwas Einfachem. Ein Getränk, das man morgens oder nach dem Essen wirklich hinbekommt.

Das kann im Alltag helfen. Aber nicht so, wie es auf manchen Seiten klingt.
Ein ungesüßter Ingwer-Zimt-Drink hat kaum Kalorien. Wenn er Saft, Limonade, gesüßten Eistee oder den zweiten Milchkaffee mit Sirup ersetzt, ist das schon ein Unterschied. Genau da sehe ich den praktischen Nutzen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt bei den DGE-Empfehlungen zum Wassertrinken Wasser und andere kalorienfreie Getränke wie ungesüßten Tee. In diese Richtung gehört der Drink. Damit ist der Nutzen eigentlich schon ziemlich gut beschrieben.
Ingwer bringt Schärfe mit. Zimt bringt Wärme und eine kleine Süße im Geschmack, ohne dass Zucker nötig ist. Das kann reichen, wenn man nach dem Mittagessen noch „irgendwas“ möchte, aber eigentlich satt ist.
Abnehmen hängt nicht an einer Tasse. Es hängt daran, was man über Tage und Wochen wiederholt. Essen, Bewegung, Schlaf, Stress, Gewohnheiten. Der Drink kann eine kleine Stelle in diesem Alltag einnehmen. Die Hauptfigur ist er nicht.
Was Ingwer und Zimt im Glas machen — Wirkung ohne Zaubertrick
Ingwer ist in der Küche keine neue Modeknolle. Ich kenne ihn aus Brühen, Currys, Tees und aus diesen kleinen Hausmittel-Momenten, in denen jemand sagt: „Mach dir doch Ingwerwasser.“ Manchmal hilft schon die Wärme. Manchmal nervt genau diese Schärfe.

Das BZfE beschreibt Ingwer als scharfe Knolle und verweist vor allem auf die traditionelle Nutzung bei Übelkeit und Magen-Darm-Beschwerden. Für meinen Drink heißt das nicht: mehr Ingwer ist besser. Es heißt eher: vorsichtig anfangen.
Drei dünne Scheiben Ingwer waren bei mir angenehm. Sechs Scheiben in einer Tasse waren schon eine kleine Mutprobe. Der Drink wurde scharf, kratzig und nach dem dritten Schluck nicht mehr gemütlich.
Zimt ist freundlicher im ersten Eindruck. Er schmeckt warm und süßlich, auch ohne Zucker. Genau deshalb passt er gut in so einen Drink. Aber Zimt hat auch seine Grenze. Nicht nur geschmacklich.
Vor allem Cassia-Zimt enthält mehr Cumarin. Das Bundesinstitut für Risikobewertung erklärt in seinen Informationen zu Cumarin in Zimt und anderen Lebensmitteln, dass besonders Cassia-Zimt höhere Mengen enthalten kann. Wer häufig Zimt verwendet, nimmt besser Ceylon-Zimt.
In meiner Küche heißt das: lieber eine kleine Zimtstange oder eine Prise Ceylon-Zimt. Nicht jeden Becher dunkelbraun würzen. Einmal habe ich es mit Pulver übertrieben. Der Drink sah aus wie dünner Kakao. Geschmacklich war das keine Verbesserung.
Mein Grundrezept: warm, schlicht, nicht zu streng

Das ist die Version, die nach mehreren Anläufen übrig blieb. Nicht die schärfste. Nicht die schönste. Aber die, die ich am nächsten Tag wieder trinken wollte.
Zutaten für 1 große Tasse
- 250 ml Wasser
- 3 bis 5 dünne Scheiben frischer Ingwer
- 1 kleine Ceylon-Zimtstange oder 1 kleine Prise Ceylon-Zimt
- 1 bis 2 Spritzer Zitronensaft, optional
- kein Zucker; Honig nur sparsam, wenn es ohne gar nicht geht
Zubereitung
Den Ingwer waschen. Schälen muss man ihn nicht unbedingt, wenn die Schale sauber ist. Ich schneide ihn lieber in dünne Scheiben, statt ihn grob in den Topf zu werfen. So gibt er schneller Geschmack ab.
Das Wasser aufkochen, Ingwer und Zimt dazugeben und die Hitze reduzieren. Fünf Minuten leise ziehen lassen. Nicht wild kochen. Danach den Topf vom Herd nehmen und den Drink noch drei bis fünf Minuten stehen lassen.
Wenn Zitrone dazukommt, gebe ich sie erst am Ende hinein. Nicht in kochendes Wasser. Der Geschmack bleibt frischer.
Bei Zimtpulver wird der Drink trüber und am Boden bleibt oft ein kleiner Satz. Das ist nicht schlimm, aber nicht jeder mag es. Für Gäste nehme ich deshalb lieber Zimtstange.
Mit Zimtstange schmeckt der Drink runder. Mit Pulver wird er kräftiger, aber nicht unbedingt besser. Die Version mit zu viel Ingwer stand bei mir wirklich halbvoll neben der Spüle. Nicht, weil sie ungesund war. Sie war einfach nicht gut.
Das klingt banal. Ist aber der Unterschied zwischen „trinke ich morgen wieder“ und „muss ich mir schönreden“.
Kaltes Ingwer-Zimt-Wasser für den Vormittag

Diese Variante ist gut, wenn man nicht dauernd frischen Tee kochen möchte. Ich mache dafür erst einen kleinen warmen Ansatz und verdünne ihn später.
Zutaten für etwa 750 ml
- 500 ml heißes Wasser
- 6 bis 8 dünne Scheiben Ingwer
- 1 kleine Ceylon-Zimtstange
- 250 ml kaltes Wasser
- 2 Scheiben Zitrone oder Orange, optional
- ein paar Minzblätter, optional
Zubereitung
Ingwer und Zimt mit 500 ml heißem Wasser übergießen und etwa 10 Minuten ziehen lassen. Dann die Zimtstange herausnehmen. Sonst wird der Geschmack schnell streng.
Den Ansatz abkühlen lassen und mit 250 ml kaltem Wasser verdünnen. Zitrone oder Orange erst dazugeben, wenn der Drink nicht mehr heiß ist. Minze passt gut, wenn man den Drink eher frisch als winterlich haben möchte.
Ich fülle diese Version in eine Glasflasche und stelle sie in den Kühlschrank. Nicht für drei Tage. Eher für denselben Tag.
Am ersten Vormittag war diese Variante praktisch. Nicht aufregend, aber praktisch. Am nächsten Tag war der Rest in der Flasche schon flach. Nicht schlecht. Nur langweilig. Seitdem mache ich lieber kleinere Mengen.
Zum Abnehmen hilft daran nicht die besondere Mischung im Glas. Es hilft, dass man etwas Geschmack hat, ohne Saft oder Zucker zu brauchen.
Grüner Tee mit Ingwer und Zimt, wenn es herber sein darf

Diese Version ist etwas wacher im Geschmack. Sie passt gut am späten Vormittag oder frühen Nachmittag. Abends würde ich sie wegen des grünen Tees nicht trinken, wenn man empfindlich auf Koffein reagiert.
Zutaten für 1 Tasse
- 200 ml Wasser
- 1 TL grüner Tee oder 1 Teebeutel
- 2 bis 3 dünne Scheiben Ingwer
- 1 kleines Stück Ceylon-Zimtstange
- 1 Spritzer Zitrone, optional
Zubereitung
Wasser aufkochen und kurz abkühlen lassen. Grüner Tee mag kein sprudelnd kochendes Wasser. Ich warte meist zwei bis drei Minuten. Nicht wissenschaftlich exakt, aber in meiner Küche funktioniert es.
Ingwer und Zimt in die Tasse geben, den grünen Tee dazu und alles zwei bis drei Minuten ziehen lassen. Danach den Tee entfernen. Ingwer und Zimt können noch kurz bleiben, aber nicht ewig.
Diese Variante schmeckt herber als das Grundrezept. Wer sonst süße Getränke trinkt, muss sich vielleicht erst daran gewöhnen. Ich würde hier trotzdem nicht sofort Honig hineingeben. Erst ein paar Schlucke probieren.
Manchmal braucht die Zunge einfach zwei Minuten.
Ich mochte diese Version am meisten nach dem Mittagessen. Nicht als Dessert-Ersatz mit großem Anspruch. Eher als klares Ende der Mahlzeit. Tasse leer, Küche wieder aufräumen, weiter.
Kleiner Ingwer-Zimt-Shot ohne Saftfalle

Fertige Ingwer-Shots wirken oft gesünder, als sie sind. Viele schmecken vor allem nach Apfel- oder Orangensaft. Für ab und zu ist das kein Drama. Für jeden Morgen als „Abnehmritual“ finde ich es fragwürdig.
Diese kleine Version ist kräftiger und weniger süß.
Zutaten für 2 kleine Shots
- 1 daumengroßes Stück Ingwer
- 80 ml Wasser
- 1 bis 2 EL Zitronensaft
- 1 kleine Prise Ceylon-Zimt
- optional: 2 EL Orangensaft, wenn es milder sein soll
Zubereitung
Ingwer fein reiben oder mit Wasser und Zitronensaft kurz mixen. Danach durch ein feines Sieb geben. Zimt einrühren. Wenn der Shot zu scharf ist, mit etwas Wasser verlängern.
Nicht auf nüchternen Magen trinken, wenn man empfindlich ist. Scharfer Ingwer direkt morgens kann manchen Magen ziemlich ärgern.
Ich habe den Shot einmal ohne Orangensaft probiert und einmal mit einem kleinen Schuss. Ohne Saft war er klarer und schärfer. Mit Orangensaft wurde er runder, aber auch schnell wieder ein kleines Saftgetränk.
Für mich ist das eher eine Variante für ab und zu. Nicht für jeden Morgen.
Wann der Drink in meinen Alltag passt
Es gibt keinen magischen Zeitpunkt. Morgens passt der warme Drink, wenn man sonst süß in den Tag startet. Nach dem Mittagessen passt er, wenn man noch etwas Warmes möchte. Am Abend nehme ich nur die Version ohne grünen Tee.
Was ich nicht machen würde: den Drink als Mahlzeit verkaufen. Ein Becher Ingwer-Zimt-Wasser ist kein Frühstück, kein Mittagessen und kein Ersatz für ein Abendbrot.

Wenn ich leicht essen möchte, kombiniere ich ihn eher mit etwas Normalem: Joghurt mit Haferflocken, ein Ei mit Brot, eine Suppe oder ein einfacher Salat mit etwas Eiweiß dazu. Das ist weniger spektakulär als ein „Detox-Plan“. Dafür hält es länger.
Ein Drink, der nur Hunger übertönt, rächt sich oft später. Dann steht man abends vor dem Kühlschrank und wundert sich nicht wirklich.
Alltagstipps: kleine Fehler, die den Drink schnell ruinieren
Der erste Fehler ist zu viel Ingwer. Dann schmeckt der Drink nicht belebend, sondern aggressiv. Man trinkt ihn einmal und lässt es wieder.
Der zweite Fehler ist zu viel Zimt. Pulver löst sich nicht richtig auf, setzt sich unten ab und macht den letzten Schluck körnig. Mit einer kleinen Zimtstange wird der Drink meist runder.
Der dritte Fehler ist zu viel Süße. Ein halber Teelöffel Honig macht aus dem Drink kein Dessert. Aber wenn in jede Tasse Honig kommt und dazu noch Saft, verschiebt sich der Sinn. Dann trinkt man eben wieder ein süßes Getränk, nur mit gesünderem Namen.
Ich schreibe mir bei solchen Rezepten manchmal eine einfache Notiz an den Rand: „Muss auch ohne Honig schmecken.“ Wenn es ohne gar nicht geht, stimmt die Mischung für mich nicht.
Und dann ist da noch die Langeweile. Jeden Tag derselbe Becher, immer gleich, immer mit zusammengebissenen Zähnen — das hält selten. Dann lieber zwischen warmer Tasse, kaltem Wasser und grünem Tee wechseln.
Wer vorsichtig sein sollte
Bei normalen Küchenmengen ist Ingwer für viele Menschen gut verträglich. Trotzdem passt er nicht zu jedem Bauch. Wer schnell Sodbrennen bekommt, sollte mild anfangen: zwei Scheiben Ingwer, kurze Ziehzeit, keine Shots.

Auch bei Schwangerschaft, Stillzeit, Blutverdünnern, Gallenproblemen oder regelmäßigen Medikamenten würde ich nicht anfangen, täglich starke Ingwer-Zimt-Getränke zu trinken, ohne vorher ärztlich nachzufragen. Nicht aus Angst. Eher aus Respekt vor dem eigenen Körper.
Zimt ist ebenfalls kein Gewürz für „je mehr, desto besser“. Wenn der Drink täglich auf dem Plan steht, nehme ich Ceylon-Zimt und kleine Mengen.
Mein Fazit: Was bei mir bleibt
Ich mag den Drink. Nur nicht als Abnehmversprechen.
Er ist gut, wenn er etwas Süßes ersetzt. Er ist angenehm, wenn man Wärme und Schärfe mag. Er kann den Tag ein bisschen sortieren. Mehr muss er nicht sein.
Für mich bleibt das beste Grundrezept schlicht: Wasser, frischer Ingwer, ein kleines Stück Ceylon-Zimt, vielleicht Zitrone. Kein Zucker. Kein großes Theater.
Wenn der Topf noch warm ist, gieße ich mir manchmal direkt eine zweite halbe Tasse auf. Nicht, weil ich glaube, dass jetzt irgendetwas „wegschmilzt“. Sondern weil es schmeckt.

